Lernen, Entscheiden, Genießen
Ein trüber Wintermorgen in den Alpen: Über Nacht sind rund 20 cm Neuschnee gefallen, dichter Schneefall begleitet den ganzen Tag. Der Lawinenlagebericht warnt deutlich. Eine klassische Gipfeltour durchs freie Gelände kommt daher nicht infrage. Stattdessen entscheiden wir uns für eine sichere und lehrreiche Variante: Aufstieg über die gesicherte Piste im Skigebiet am Ifen, kurze Abstecher ins freie Gelände mit defensiver Routenwahl – und ein intensives Training der Verschüttetensuche.
Tag 1: Verantwortung am Berg
Der Aufstieg erfolgt konsequent am Pistenrand. Frischer Triebschnee, eingewehte Mulden und anhaltender Schneefall machen deutlich, warum die Lawinengefahr erhöht ist. Gerade unter solchen Bedingungen zeigt sich, dass Verzicht oft die klügere Entscheidung ist. Steilere Hänge und kammnahe Bereiche meiden wir bewusst. Sicherheit und Übersicht stehen an erster Stelle.
Den Schwerpunkt des Tages bildet die Praxis: Auf einer sicheren, flachen Fläche vergraben wir mehrere LVS-Geräte. Was theoretisch einfach klingt – Signalaufnahme, Grob- und Feinsuche, Sondieren und effizientes Ausschaufeln – verlangt unter Zeitdruck Konzentration und klare Abläufe.
Die wichtigste Erkenntnis: Moderne Ausrüstung ist essenziell, doch Routine entsteht nur durch Übung. Am Ende stehen kein Gipfelerfolg und kein Powder-Foto, sondern geschärftes Risikobewusstsein und das gute Gefühl, verantwortungsvoll gehandelt zu haben. Hohe Lawinengefahr bedeutet nicht Tourenverbot, sondern Anpassung und umsichtiges Entscheiden.
Tag 2: Belohnung am Rangiswanger Horn
Am zweiten Tag zeigt sich der Winter von seiner schönsten Seite. Nach nächtlichem Neuschnee liegt die Landschaft unberührt unter strahlendem Himmel. Unsere Tour führt von Sigiswang auf das Rangiswanger Horn in den Allgäuer Alpen.
Über sanfte, tief verschneite Wiesen steigen wir auf. Der Schnee dämpft jedes Geräusch, die Sonne taucht die Gipfel in warmes Licht. Durch lichten Bergwald gewinnen wir an Höhe, bis sich oberhalb der Waldgrenze freie Hänge und breite Rücken öffnen. In gleichmäßigen Kehren zieht die Spur dem Gipfel entgegen.
Oben angekommen genießen wir während der Rast das Panorama über die Allgäuer Alpen und die markante Nagelfluhkette. Dann rüsten wir uns für die Abfahrt – zu verlockend sind die verschneiten Hänge.
Die Abfahrt wird zum Höhepunkt: leichter, trockener Pulverschnee, weite Schwünge im freien Gelände, spielerische Linien durch den Wald. Jede Kurve wirbelt glitzernde Schneekristalle auf.
Zurück in Sigiswang endet das Wochenende mit müden Beinen und breitem Grinsen. Der erste Tag war keine heroische Unternehmung, sondern eine kluge Entscheidung, wo Wissen, Vorsicht zusammenspielen. Der zweite Tag zeigte, wie schön und welch Genuss Skitourengehen sein kann.